„Ihr öff­nete der Herr das Herz“

Apg 16, 14 b

Le­sung der 'Apos­tel­ge­schichte'

Apg 16

Icon zur Tondatei

Um 63 n. Chr.

1 Wei­ter kam er dann auch nach Derbe und Lys­tra. Und siehe, hier war ein Jün­ger na­mens Ti­mo­the­us – der Sohn einer gläu­big ge­wor­de­nen Jüdin, aber eines grie­chi­schen Va­ters –,

2 dem von den Brü­dern in Lys­tra und Iko­ni­um ein emp­feh­len­des Zeug­nis aus­ge­stellt wurde.

3 Pau­lus wünsch­te die­sen als Be­glei­ter auf der Reise zu haben; so nahm er ihn denn zu sich und voll­zog die Be­schnei­dung an ihm mit Rück­sicht auf die Juden, die in jenen Ge­gen­den (wohn­haft) waren; denn es wuss­ten ja alle, dass sein Vater ein Grie­che war.

4 Auf ihrer Wan­de­rung durch die Städ­te mach­ten sie den Gläu­bi­gen dort zur Pflicht, die von den Apos­teln und Äl­tes­ten in Je­ru­sa­lem be­schlos­se­nen Sat­zun­gen zu be­ob­ach­ten.

5 So wur­den denn die Ge­mein­den von ihnen im Glau­ben ge­stärkt und nah­men täg­lich an Zahl zu.

6 Sie zogen dann wei­ter durch Phry­gi­en und das ga­la­ti­sche Land, weil sie vom hei­li­gen Geist daran ge­hin­dert wur­den, die Heils­bot­schaft in (der rö­mi­schen Pro­vinz) Asien zu ver­kün­di­gen.

7 Als sie aber in die Nähe von My­si­en ge­kom­men waren, mach­ten sie den Ver­such, nach Bi­thy­ni­en zu ge­lan­gen, doch der Geist Jesu ge­stat­te­te es ihnen nicht;

8 sie zogen viel­mehr an der Gren­ze von My­si­en hin und kamen so an die Küste nach Troas hi­n­un­ter.

9 Hier er­schien dem Pau­lus nachts ein Traum­ge­sicht: Ein ma­ze­do­ni­scher Mann stand da und sprach die Bitte gegen ihn aus: »Komm nach Ma­ze­do­ni­en he­r­ü­ber und hilf uns!«

10 Als er diese Er­schei­nung ge­se­hen hatte, such­ten wir so­fort eine Ge­le­gen­heit, nach Ma­ze­do­ni­en zu ge­langen, weil wir aus ihr schlos­sen, dass Gott uns dazu be­ru­fen habe, ihnen die Heils­bot­schaft zu ver­kün­di­gen.

11 So se­gel­ten wir denn von Troas ab und fuh­ren ge­ra­des­wegs nach Sa­mo­thra­ke, am fol­gen­den Tage nach Ne­a­po­lis

12 und von dort nach Phi­lip­pi, wel­ches die erste Stadt des (dor­ti­gen) ma­ze­do­ni­schen Be­zirks ist, eine rö­mi­sche Ko­lo­nie. In die­ser Stadt blie­ben wir ei­ni­ge Tage

13 und gin­gen am Sab­bat­ta­ge zum Stadt­tor hi­n­aus an den Fluss, wo wir eine (jü­di­sche) Ge­bets­stät­te ver­mu­te­ten. Wir setz­ten uns dort nie­der und re­de­ten zu den Frau­en, die sich da ver­sam­melt hat­ten.

14 Unter den Zu­hö­re­rin­nen be­fand sich auch eine got­tes­fürch­ti­ge Frau na­mens Lydia, eine Pur­pur­händ­le­rin aus der Stadt Thy­a­ti­ra (in Ly­di­en); ihr öff­ne­te der Herr das Herz, so dass sie den Wor­ten des Paulus Be­ach­tung schenkte.

15 Als sie sich dann samt ihren Haus­ge­nos­sen hatte tau­fen las­sen, sprach sie die Bitte aus: »Wenn ihr wirk­lich in mir eine treue Jün­gerin des Herrn er­kannt habt, so kommt in mein Haus und wohnt bei mir!« So nö­tig­te sie uns (zu sich).

16 Als wir nun (eines Tages wie­der) auf dem Wege zu der Ge­bets­stät­te waren, be­geg­ne­te uns eine Magd, die von einem Wahr­sa­ge­geist be­ses­sen war und ihrer Herr­schaft durch ihr Wahr­sa­gen viel Geld ein­brachte.

17 Die ging hin­ter Pau­lus und uns her und rief laut: »Diese Män­ner sind Die­ner des höchs­ten Got­tes, die euch den Weg zur Ret­tung ver­kün­di­gen!«

18 Das setz­te sie viele Tage hin­durch fort. Da­r­ü­ber wurde Pau­lus un­wil­lig; er wand­te sich um und sprach zu dem Geist: »Ich ge­bie­te dir im Namen Jesu Chris­ti, von ihr aus­zu­fah­ren!«, und er fuhr wirk­lich auf der Stel­le aus.

19 Als nun die Herr­schaft sah, dass es mit ihrer Hoff­nung auf Geld­ge­winn vor­bei war, er­grif­fen sie den Pau­lus und Silas, schlepp­ten sie auf den Markt­platz vor die Be­hör­de,

20 führ­ten sie vor die Stadt­rich­ter und sag­ten: »Diese Men­schen stö­ren die Ruhe in un­se­rer Stadt; sie sind Juden

21 und ver­kün­den Ge­bräu­che, die wir als Römer nicht an­neh­men und aus­ü­ben dür­fen.«

22 Da trat die Volks­men­ge gleich­falls gegen sie auf, und die Stadt­rich­ter lie­ßen ihnen die Klei­der vom Leibe rei­ßen und ord­ne­ten ihre Aus­peit­schung an.

23 Nach­dem sie ihnen dann viele Stock­schlä­ge hat­ten ver­ab­fol­gen las­sen, setz­ten sie sie ins Ge­fäng­nis mit der Wei­sung an den Ge­fäng­nis­auf­se­her, er solle sie in si­che­rem Ge­wahr­sam hal­ten.

24 Der warf sie auf die­sen Be­fehl hin in die in­ners­te Zelle des Ge­fäng­nis­ses und schloss ihnen die Füße in den Block ein.

25 Um Mit­ter­nacht aber be­te­ten Pau­lus und Silas und prie­sen Gott in Lob­lie­dern; die übri­gen Ge­fan­ge­nen aber hör­ten ihnen zu.

26 Da ent­stand plötz­lich ein star­kes Erd­be­ben, so dass die Grund­mau­ern des Ge­fäng­nis­ses er­beb­ten; so­fort spran­gen sämt­li­che Türen auf, und allen fie­len die Fes­seln von selbst ab.

27 Als nun der Ge­fäng­nis­auf­se­her aus dem Schlaf er­wach­te und die Türen der Ge­fäng­nis­zel­len of­fen­ste­hen sah, zog er sein Schwert und wol­lte sich das Leben neh­men; denn er dach­te, die Ge­fan­ge­nen seien ent­flo­hen.

28 Pau­lus je­doch rief mit lau­ter Stim­me: »Tu dir kein Leid an, denn wir sind alle noch hier!«

29 Da rief jener nach Licht, stürz­te in die Zelle hi­n­ein und warf sich zit­ternd vor Pau­lus und Silas nie­der;

30 dann führ­te er sie hi­n­aus und frag­te sie: »Ihr Her­ren, was muss ich tun, um ge­ret­tet zu wer­den?«

31 Sie ant­wor­te­ten: »Glau­be an den Herrn Jesus, so wirst du mit dei­nem Hause ge­ret­tet wer­den.«

32 Nun ver­kün­dig­ten sie ihm und allen sei­nen Haus­ge­nos­sen das Wort des Herrn.

33 Da nahm er sie noch in der­sel­ben Stun­de der Nacht zu sich, wusch ihnen die blu­ti­gen Strie­men ab und ließ sich mit all den Sei­nen so­gleich tau­fen.

34 Da­nach führ­te er sie in sei­ne Woh­nung hi­n­auf, ließ ihnen den Tisch de­cken und froh­lock­te mit sei­nem gan­zen Hause, dass er zum Glau­ben an Gott ge­kom­men war.

35 Als es dann Tag ge­wor­den war, schick­ten die Stadt­rich­ter ihre Ge­richts­die­ner und lie­ßen sagen: »Lass jene Män­ner frei!«

36 Der Ge­fäng­nis­auf­se­her teil­te dem Pau­lus diese Bot­schaft mit: »Die Stadt­rich­ter haben sagen las­sen, ihr sollt frei­ge­las­sen wer­den; so geht jetzt also hi­n­aus und zieht in Frie­den wei­ter!«

37 Pau­lus aber ent­geg­ne­te ihnen: »Sie haben uns ohne Ver­hör und Ur­teil öf­fent­lich aus­peit­schen las­sen, ob­gleich wir rö­mi­sche Bür­ger sind, haben uns ins Ge­fäng­nis ge­setzt und wol­len uns jetzt unter der Hand aus­wei­sen? O nein! Sie sol­len selbst her­kom­men und uns hi­n­aus­ge­lei­ten!«

38 Die Ge­richts­die­ner über­brach­ten diese Ant­wort den Stadt­rich­tern. Diese be­ka­men einen Schre­cken, als sie hör­ten, dass es sich um rö­mi­sche Bür­ger handle;

39 sie kamen also, ent­schul­dig­ten sich bei ihnen und führ­ten sie (aus dem Ge­fäng­nis) hi­n­aus mit der Bitte, sie möch­ten die Stadt ver­las­sen.

40 Da gin­gen sie aus dem Ge­fäng­nis hi­n­aus und be­ga­ben sich zu Lydia, be­such­ten dann die Brü­der, spra­chen ihnen zu und zogen wei­ter.

 


Verwen­de­ter Text: Menge-Bibel (1939)
Ent­nom­men dem Xiphos / Sword-Pro­jekt.

Link zu 'Xiphos' (= Schwert; ge­meint das des Geis­tes): xiphos.org

Link zu 'Sword': crosswire.org

 

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