1Kor 14
Um 57 n. Chr.
1 Strebet nach der Liebe; doch eifert auch nach den Geistesgaben, am meisten aber, dass ihr weissagen könnet!
2 Denn wer in Zungen redet, der redet nicht für Menschen, sondern für Gott; denn niemand vernimmt es, im Geiste aber redet er Geheimnisse.
3 Wer aber weissagt, der redet für Menschen zur Erbauung, zur Ermahnung und zum Trost.
4 Wer in Zungen redet, erbaut sich selbst; wer aber weissagt, erbaut die Gemeinde.
5 Ich wünschte, dass ihr alle in Zungen redetet, noch viel mehr aber, dass ihr weissagen könntet. Denn wer weissagt, ist größer, als wer in Zungen redet; es sei denn, dass er es auslege, damit die Gemeinde Erbauung empfange.
6 Nun aber, ihr Brüder, wenn ich zu euch käme und in Zungen redete, was würde ich euch nützen, wenn ich nicht zu euch redete, sei es durch Offenbarung oder durch Erkenntnis oder durch Weissagung oder durch Lehre?
7 Ist es doch ebenso mit den leblosen Instrumenten, die einen Laut von sich geben, sei es eine Flöte oder eine Harfe; wenn sie nicht bestimmte Töne geben, wie kann man erkennen, was auf der Flöte oder auf der Harfe gespielt wird?
8 Ebenso auch, wenn die Posaune einen undeutlichen Ton gibt, wer wird sich zum Kampfe rüsten?
9 Also auch ihr, wenn ihr durch die Zunge nicht eine verständliche Rede gebet, wie kann man verstehen, was geredet wird? Denn ihr werdet in den Wind reden.
10 So viele Arten von Sprachen mögen wohl in der Welt sein, und keine ist ohne Laut.
11 Wenn ich nun den Sinn des Lautes nicht kenne, so werde ich dem Redenden ein Fremder sein und der Redende für mich ein Fremder.
12 Also auch ihr, da ihr eifrig nach Geistesgaben trachtet, suchet, zur Erbauung der Gemeinde daran Überfluss zu haben!
13 Darum: wer in Zungen redet, der bete, dass er es auch auslegen kann.
14 Denn wenn ich in Zungen bete, so betet zwar mein Geist, aber mein Verstand ist ohne Frucht.
15 Wie soll es nun sein? Ich will im Geiste beten, ich will aber auch mit dem Verstande beten; ich will im Geiste lobsingen, ich will aber auch mit dem Verstande lobsingen.
16 Sonst, wenn du im Geiste lobpreisest, wie soll der, welcher die Stelle des Unkundigen einnimmt, das Amen sprechen zu deiner Danksagung, da er nicht weiß, was du sagst?
17 Du magst wohl schön danksagen, aber der andere wird nicht erbaut.
18 Ich danke Gott, dass ich mehr als ihr alle in Zungen rede.
19 Aber in der Gemeinde will ich lieber fünf Worte mit meinem Verstande reden, damit ich auch andere unterrichte, als zehntausend Worte in Zungen.
20 Ihr Brüder, werdet nicht Kinder im Verständnis, sondern an Bosheit seid Kinder, am Verständnis aber werdet vollkommen.
21 Im Gesetz steht geschrieben: »Ich will mit fremden Zungen und mit fremden Lippen zu diesem Volke reden, aber auch so werden sie mich nicht hören, spricht der Herr.«
22 Darum sind die Zungen zum Zeichen nicht für die Gläubigen, sondern für die Ungläubigen; die Weissagung aber ist nicht für die Ungläubigen, sondern für die Gläubigen.
23 Wenn nun die ganze Gemeinde am selben Ort zusammenkäme, und alle würden in Zungen reden, und es kämen Unkundige oder Ungläubige herein, würden sie nicht sagen, ihr wäret von Sinnen?
24 Wenn aber alle weissagten, und es käme ein Ungläubiger oder Unkundiger herein, so würde er von allen überführt, von allen erforscht;
25 das Verborgene seines Herzens würde offenbar, und so würde er auf sein Angesicht fallen und Gott anbeten und bekennen, dass Gott wahrhaftig in euch sei.
26 Wie ist es nun, ihr Brüder? Wenn ihr zusammenkommt, so hat jeder von euch etwas: einen Psalm, eine Lehre, eine Offenbarung, eine Zungenrede, eine Auslegung; alles geschehe zur Erbauung!
27 Will jemand in Zungen reden, so seien es je zwei, höchstens drei, und der Reihe nach, und einer lege es aus.
28 Ist aber kein Ausleger da, so schweige er in der Gemeinde; er rede aber für sich selbst und zu Gott.
29 Propheten aber sollen zwei oder drei reden, und die andern sollen es beurteilen.
30 Wenn aber einem andern, der dasitzt, eine Offenbarung zuteil wird, so soll der erste schweigen.
31 Denn ihr könnet einer nach dem andern alle weissagen, damit alle lernen und alle getröstet werden.
32 Und die Geister der Propheten sind den Propheten untertan.
33 Denn Gott ist nicht ein Gott der Unordnung, sondern des Friedens.
34 Wie in allen Gemeinden der Heiligen, so sollen die Frauen in den Gemeinden schweigen; denn es ist ihnen nicht gestattet zu reden, sondern sie sollen untertan sein, wie auch das Gesetz sagt 1.
35 Wollen sie aber etwas lernen, so mögen sie daheim ihre Männer fragen; denn es steht einem Weibe übel an, in der Gemeinde zu reden.
36 Oder ist von euch das Wort Gottes ausgegangen? Oder ist es zu euch allein gekommen?
37 Glaubt jemand ein Prophet oder ein Geistbegabter zu sein, der erkenne, dass das, was ich euch schreibe, des Herrn Gebot ist.
38 Will es aber jemand missachten, der missachte es! 2
39 Also, meine Brüder, strebet nach der Weissagung,3 und das Reden in Zungen wehret nicht;
40 alles aber geschehe mit Anstand und in Ordnung!
1) Gemeint ist hier mit 'Gesetz' die Thora (= Weisung) im weiten Sinn (die fünf Bücher Mose), daraus dann 1 Mose 3, 16:
»Und zum Weibe sprach er: Ich will dir viele Schmerzen durch häufige Empfängnis bereiten; mit Schmerzen sollst du Kinder gebären; und du sollst nach deinem Manne verlangen, er aber soll herrschen über dich!«
2) Dazu Lukas 4, 12 (ähnl. Mt 4, 7):
Und Jesus antwortete und sprach zu ihm: Es ist gesagt: »Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht versuchen!«
Paulus wird es von daher kaum als ein 'Placet' (= es ist erlaubt) gemeint haben.
3) Lt. Interlinearübersetzung:
»… erstrebt eifrig das Prophetisch-Reden …«
(Dietzfelbinger 1986 / 2003, © by Hänssler Verlag)
Das [dem Wort 'Weisheit' in dieser Schlachter-Übersetzung zugrundeliegende] griechische Wort propheteuo bedeutet prophezeien, oft mit weissagen wiedergegeben, und findet sich 30-mal [im Neuen Testament].
Zitat [ohne die Zusätze in eckigen Klammern] aus: Exegetisches Handwörterbuch zur Bibel, © SCM R. Brockhaus, 2018.
Anm.: Prophetie geht einfacher, als es mancher denkt, da sie von Gott ausgeht, und im eigentlichen Sinne keine Leistung der jeweiligen menschlichen Person ist.
• Lukas 11, 11 lautet: »Welcher Vater unter euch wird seinem Sohn einen Stein geben, wenn er ihn um Brot bittet? Oder wenn er ihn um einen Fisch bittet, gibt er ihm statt des Fisches eine Schlange?«
Gleich danach, in Lukas 11, 13 b: »… wieviel mehr wird der Vater im Himmel den heiligen Geist denen geben, die ihn bitten!«
• Bei Jakobus, im ersten Kapitel die Verse 5-8:
(5) „Wenn aber jemandem unter euch Weisheit mangelt, so erbitte er sie von Gott, der allen gern und ohne Vorwurf gibt, so wird sie ihm gegeben werden. (6) Er bitte aber im Glauben und zweifle nicht; denn wer zweifelt, gleicht der Meereswoge, die vom Winde hin und her getrieben wird. (7) Ein solcher Mensch denke nicht, dass er etwas von dem Herrn empfangen werde. (8) Ein Mann mit geteiltem Herzen ist unbeständig in allen seinen Wegen.“
Gebet bzw. Priestertum hat die Richtung vom Menschen zu Gott, und Prophetie wiederum die Richtung von Gott – oft mittels des Heiligen Geistes – zu uns, den Glaubenden.
Prophetisches Geschehen lässt sich (s.o.) also durchaus menschlicherseits fördern, jedoch nicht erzwingen. Wir bleiben Bittsteller. Es kann durch Fasten unterstützt werden (Apg 13, 2.3).
Verwendeter Text: Schlachter Bibel 1951.
Übersetzt von Franz-Eugen Schlachter.
© Genfer Bibelgesellschaft 1951. Entnommen dem Xiphos / Sword -Projekt.
Link zu 'Xiphos' (= Schwert; gemeint das des Geistes): xiphos.org
Link zu 'Sword': crosswire.org
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