„Strebet nach der Weis­sa­gung“

1Kor 14, 39 b

Lesung aus dem Ersten Brief an die Korinther

1Kor 14

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Um 57 n. Chr.

Strebet nach der Liebe; doch ei­fert auch nach den Geis­tes­ga­ben, am meis­ten aber, dass ihr weis­sa­gen könnet!

Denn wer in Zun­gen redet, der redet nicht für Men­schen, son­dern für Gott; denn nie­mand ver­nimmt es, im Geis­te aber redet er Ge­heim­nisse.

Wer aber weis­sagt, der redet für Men­schen zur Er­bau­ung, zur Er­mah­nung und zum Trost.

Wer in Zun­gen redet, er­baut sich selbst; wer aber weis­sagt, er­baut die Ge­meinde.

Ich wünsch­te, dass ihr alle in Zun­gen re­de­tet, noch viel mehr aber, dass ihr weis­sagen könn­tet. Denn wer weis­sagt, ist grö­ßer, als wer in Zun­gen redet; es sei denn, dass er es aus­le­ge, damit die Ge­mein­de Er­bau­ung emp­fange.

Nun aber, ihr Brü­der, wenn ich zu euch käme und in Zun­gen re­de­te, was würde ich euch nüt­zen, wenn ich nicht zu euch re­de­te, sei es durch Of­fen­ba­rung oder durch Er­kennt­nis oder durch Weis­sa­gung oder durch Lehre?

Ist es doch eben­so mit den leb­lo­sen Ins­tru­men­ten, die einen Laut von sich geben, sei es eine Flöte oder eine Harfe; wenn sie nicht be­stimm­te Töne geben, wie kann man er­ken­nen, was auf der Flöte oder auf der Harfe ge­spielt wird?

Eben­so auch, wenn die Po­sau­ne einen un­deut­li­chen Ton gibt, wer wird sich zum Kamp­fe rüsten?

Also auch ihr, wenn ihr durch die Zunge nicht eine ver­ständ­li­che Rede gebet, wie kann man ver­ste­hen, was ge­re­det wird? Denn ihr wer­det in den Wind reden.

10 So viele Arten von Spra­chen mögen wohl in der Welt sein, und keine ist ohne Laut.

11 Wenn ich nun den Sinn des Lau­tes nicht kenne, so werde ich dem Re­den­den ein Frem­der sein und der Re­den­de für mich ein Fremder.

12 Also auch ihr, da ihr eif­rig nach Geis­tes­ga­ben trach­tet, su­chet, zur Er­bau­ung der Ge­mein­de daran Über­fluss zu haben!

13 Darum: wer in Zun­gen redet, der bete, dass er es auch aus­le­gen kann.

14 Denn wenn ich in Zun­gen bete, so betet zwar mein Geist, aber mein Ver­stand ist ohne Frucht.

15 Wie soll es nun sein? Ich will im Geis­te beten, ich will aber auch mit dem Ver­stan­de beten; ich will im Geis­te lob­sin­gen, ich will aber auch mit dem Ver­stan­de lob­singen.

16 Sonst, wenn du im Geis­te lob­prei­sest, wie soll der, wel­cher die Stel­le des Un­kun­di­gen ein­nimmt, das Amen spre­chen zu dei­ner Dank­sa­gung, da er nicht weiß, was du sagst?

17 Du magst wohl schön dank­sa­gen, aber der an­de­re wird nicht er­baut.

18 Ich danke Gott, dass ich mehr als ihr alle in Zun­gen rede.

19 Aber in der Ge­mein­de will ich lie­ber fünf Worte mit mei­nem Ver­stan­de reden, damit ich auch an­de­re un­ter­rich­te, als zehn­tau­send Worte in Zungen.

20 Ihr Brü­der, wer­det nicht Kin­der im Ver­ständ­nis, son­dern an Bos­heit seid Kin­der, am Ver­ständ­nis aber wer­det voll­kommen.

21 Im Ge­setz steht ge­schrie­ben: »Ich will mit frem­den Zun­gen und mit frem­den Lip­pen zu die­sem Volke reden, aber auch so wer­den sie mich nicht hören, spricht der Herr.«

22 Darum sind die Zun­gen zum Zei­chen nicht für die Gläu­bi­gen, son­dern für die Un­gläu­bi­gen; die Weis­sa­gung aber ist nicht für die Un­gläu­bi­gen, son­dern für die Gläu­bigen.

23 Wenn nun die ganze Ge­mein­de am sel­ben Ort zu­sam­men­kä­me, und alle wür­den in Zun­gen reden, und es kämen Un­kun­di­ge oder Un­gläu­bi­ge he­r­ein, wür­den sie nicht sagen, ihr wäret von Sinnen?

24 Wenn aber alle weis­sag­ten, und es käme ein Un­gläu­bi­ger oder Un­kun­di­ger he­r­ein, so würde er von allen über­führt, von allen er­forscht;

25 das Ver­bor­ge­ne sei­nes Her­zens würde of­fen­bar, und so würde er auf sein An­ge­sicht fal­len und Gott an­be­ten und be­ken­nen, dass Gott wahr­haf­tig in euch sei.

26 Wie ist es nun, ihr Brü­der? Wenn ihr zu­sam­men­kommt, so hat jeder von euch etwas: einen Psalm, eine Lehre, eine Of­fen­ba­rung, eine Zun­gen­re­de, eine Aus­le­gung; alles ge­sche­he zur Er­bau­ung!

27 Will je­mand in Zun­gen reden, so seien es je zwei, höchs­tens drei, und der Reihe nach, und einer lege es aus.

28 Ist aber kein Aus­le­ger da, so schwei­ge er in der Ge­mein­de; er rede aber für sich selbst und zu Gott.

29 Pro­phe­ten aber sol­len zwei oder drei reden, und die an­dern sol­len es be­ur­teilen.

30 Wenn aber einem an­dern, der da­sitzt, eine Of­fen­ba­rung zu­teil wird, so soll der erste schweigen.

31 Denn ihr kön­net einer nach dem an­dern alle weis­sa­gen, damit alle ler­nen und alle ge­trös­tet werden.

32 Und die Geis­ter der Pro­phe­ten sind den Pro­phe­ten un­ter­tan.

33 Denn Gott ist nicht ein Gott der Un­ord­nung, son­dern des Friedens.


34 Wie in allen Ge­mein­den der Hei­li­gen, so sol­len die Frau­en in den Ge­mein­den schwei­gen; denn es ist ihnen nicht ge­stat­tet zu reden, son­dern sie sol­len un­ter­tan sein, wie auch das Ge­setz sagt 1.

35 Wollen sie aber etwas ler­nen, so mögen sie da­heim ihre Män­ner fra­gen; denn es steht einem Weibe übel an, in der Ge­mein­de zu reden.

36 Oder ist von euch das Wort Got­tes aus­ge­gan­gen? Oder ist es zu euch al­lein ge­kommen?

37 Glaubt je­mand ein Pro­phet oder ein Geist­be­gab­ter zu sein, der er­ken­ne, dass das, was ich euch schrei­be, des Herrn Gebot ist.

38 Will es aber je­mand miss­ach­ten, der miss­achte es! 2


39 Also, meine Brü­der, stre­bet nach der Weis­sa­gung,3 und das Reden in Zun­gen weh­ret nicht;

40 alles aber ge­sche­he mit An­stand und in Ord­nung!

 


1) Gemeint ist hier mit 'Gesetz' die Thora (= Wei­sung) im wei­ten Sinn (die fünf Bü­cher Mose), da­r­aus dann 1 Mose 3, 16:
»Und zum Weibe sprach er: Ich will dir viele Schmer­zen durch häu­fi­ge Emp­fäng­nis be­rei­ten; mit Schmer­zen sollst du Kin­der ge­bä­ren; und du sollst nach dei­nem Manne ver­lan­gen, er aber soll herr­schen über dich!«

2) Dazu Lukas 4, 12 (ähnl. Mt 4, 7):
Und Jesus ant­wor­te­te und sprach zu ihm: Es ist ge­sagt: »Du sollst den Herrn, dei­nen Gott, nicht ver­suchen!«
Paulus wird es von daher kaum als ein 'Placet' (= es ist er­laubt) ge­meint haben.

3) Lt. In­ter­li­ne­ar­über­set­zung:
»… er­strebt eif­rig das Pro­phe­tisch-Reden …«
(Dietz­fel­bin­ger 1986 / 2003, © by Hänss­ler Verlag)

Das [dem Wort 'Weis­heit' in die­ser Schlach­ter-Über­set­zung zu­grun­de­lie­gen­de] grie­chi­sche Wort pro­phe­teuo be­deu­tet pro­phe­zei­en, oft mit weis­sa­gen wie­der­ge­ge­ben, und fin­det sich 30-mal [im Neuen Tes­ta­ment].
Zitat [ohne die Zu­sät­ze in ecki­gen Klam­mern] aus: Exe­ge­ti­sches Hand­wör­ter­buch zur Bibel, © SCM R. Brock­haus, 2018.

Anm.: Pro­phe­tie geht ein­fa­cher, als es man­cher denkt, da sie von Gott aus­geht, und im ei­gent­li­chen Sinne keine Leis­tung der je­wei­li­gen mensch­li­chen Per­son ist.

• Lukas 11, 11 lautet: »Wel­cher Vater unter euch wird sei­nem Sohn einen Stein geben, wenn er ihn um Brot bit­tet? Oder wenn er ihn um einen Fisch bit­tet, gibt er ihm statt des Fi­sches eine Schlange?«
Gleich da­nach, in Lukas 11, 13 b: »… wie­viel mehr wird der Vater im Him­mel den hei­li­gen Geist denen geben, die ihn bitten!«

• Bei Ja­ko­bus, im ers­ten Ka­pi­tel die Verse 5-8:
(5) „Wenn aber je­man­dem unter euch Weis­heit man­gelt, so er­bit­te er sie von Gott, der allen gern und ohne Vor­wurf gibt, so wird sie ihm ge­ge­ben werden. (6) Er bitte aber im Glau­ben und zweif­le nicht; denn wer zwei­felt, gleicht der Mee­res­wo­ge, die vom Winde hin und her ge­trie­ben wird. (7) Ein sol­cher Mensch denke nicht, dass er etwas von dem Herrn emp­fan­gen werde. (8) Ein Mann mit ge­teil­tem Her­zen ist un­be­stän­dig in allen sei­nen Wegen.“

Gebet bzw. Pries­ter­tum hat die Rich­tung vom Men­schen zu Gott, und Pro­phe­tie wie­de­r­um die Rich­tung von Gott – oft mit­tels des Hei­li­gen Geis­tes – zu uns, den Glau­ben­den.
Pro­phe­ti­sches Ge­sche­hen lässt sich (s.o.) also durch­aus mensch­li­cher­seits för­dern, je­doch nicht er­zwin­gen. Wir blei­ben Bitt­stel­ler. Es kann durch Fas­ten un­ter­stützt wer­den (Apg  13, 2.3).


Verwen­de­ter Text: Schlachter Bibel 1951.
Übersetzt von Franz-Eugen Schlachter.
© Genfer Bibel­ge­sell­schaft 1951. Ent­nom­men dem Xiphos / Sword -Projekt.

Link zu 'Xiphos' (= Schwert; ge­meint das des Geistes): xiphos.org

Link zu 'Sword': crosswire.org

 

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