„Der Satan selbst ver­kleidet sich in einen Engel des Lichts“

2Kor 11, 14 b

Lesung aus dem Zweiten Brief an die Korinther

2Kor 11

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Um 57 n. Chr.

Möch­tet ihr mir doch ein wenig Tor­heit zu­gu­te hal­ten! Doch ihr hal­tet sie mir schon zu­gute!

Denn ich ei­fe­re um euch mit gött­li­chem Eifer; denn ich habe euch einem Manne ver­lobt, um euch als eine reine Jung­frau Chris­tus zu­zu­füh­ren.

Ich fürch­te aber, es könn­ten, wie die Schlan­ge mit ihrer List Eva ver­führ­te, so auch eure Sinne ver­dor­ben und von der Ein­falt gegen Chris­tus ab­ge­lenkt werden.

Denn wenn der, wel­cher zu euch kommt, einen an­dern Jesus pre­digt, den wir nicht ge­pre­digt haben, oder wenn ihr einen an­dern Geist emp­fan­get, den ihr nicht emp­fan­gen habt, oder ein an­de­res Evan­ge­li­um, das ihr nicht an­ge­nom­men habt, so er­tra­get ihr es wohl.

Denn ich denke jenen »be­deu­ten­den Apos­teln« in nichts nach­zu­ste­hen.

Bin ich aber auch der Rede un­kun­dig, so doch nicht der Er­kennt­nis; son­dern wir haben sie stets in allem be­wie­sen euch ge­gen­über!

Oder habe ich Sünde getan, indem ich mich selbst er­nie­drig­te, damit ihr er­höht wür­det, dass ich euch un­ent­gelt­lich das Evan­ge­li­um Got­tes ver­kün­digt habe?

Ande­re Ge­mein­den habe ich be­raubt und von ihnen Sold ge­nom­men, um euch zu die­nen; und als ich bei euch war und Man­gel litt, bin ich nie­mand be­schwer­lich ge­fallen;

denn mei­nem Man­gel hal­fen die Brü­der ab, die aus Ma­ze­do­ni­en kamen; und in allem habe ich mich ge­hü­tet, euch zur Last zu fal­len, und werde mich fer­ner hüten.

10 So ge­wiss die Wahr­heit Chris­ti in mir ist, soll die­ser Ruhm mir nicht ver­wehrt wer­den in den Ge­gen­den von Achaja.

11 Warum das? Weil ich euch nicht lieb habe? Gott weiß es.

12 Was ich aber tue, das werde ich fer­ner tun, um denen die Ge­le­gen­heit ab­zu­schnei­den, wel­che Ge­le­gen­heit su­chen, um in dem, des­sen sie sich rüh­men, so er­fun­den zu wer­den wie wir.

13 Denn sol­che sind fal­sche Apos­tel, be­trü­ge­ri­sche Ar­bei­ter, die sich in Apos­tel Chris­ti ver­klei­den.

14 Und das ist kein Wun­der, denn der Satan selbst ver­klei­det sich in einen Engel des Lichts.

15 Es ist also nichts Be­son­de­res, wenn auch seine Die­ner sich ver­klei­den als Die­ner der Ge­rech­tig­keit; aber ihr Ende wird ihren Wer­ken gemäß sein.

16 Ich sage aber­mals, nie­mand halte mich für tö­richt; wollt ihr aber doch, nun, so neh­met an, ich sei tö­richt, damit auch ich mich ein wenig rüh­men möge.

17 Was ich jetzt rede, das rede ich nicht dem Herrn gemäß, son­dern als ein Tor in die­ser Zu­ver­sicht des Rüh­mens.

18 Da viele sich nach dem Flei­sche rüh­men, will auch ich mich rühmen.

19 Ihr er­tra­get ja gerne die Tö­rich­ten, da ihr klug seid.

20 Ihr er­tra­get es ja, wenn je­mand euch knech­tet, wenn je­mand euch auf­zehrt, wenn je­mand von euch nimmt, wenn je­mand sich über­hebt, wenn je­mand euch ins Ge­sicht schlägt.

21 Zur Schan­de sage ich das, dass wir so schwach ge­we­sen sind. Wo­r­auf aber je­mand pocht (ich rede in Tor­heit), da­r­auf poche ich auch.

22 Sie sind He­brä­er? Ich bin es auch. Sie sind Is­ra­e­li­ten? Ich auch. Sie sind Abra­hams Same? Ich auch.

23 Sie sind Die­ner Chris­ti? Ich rede un­sin­nig: Ich bin's noch mehr; ich habe weit mehr Müh­sal, über die Maßen viele Strei­che aus­ge­stan­den, war weit mehr in Ge­fäng­nis­sen, öf­ters in To­des­ge­fahren.

24 Von den Juden habe ich fünf­mal vier­zig Strei­che we­ni­ger einen emp­fan­gen;

25 drei­mal bin ich mit Ruten ge­schla­gen, ein­mal ge­stei­nigt wor­den; drei­mal habe ich Schiff­bruch er­lit­ten; einen Tag und eine Nacht habe ich in der Tiefe1 zu­ge­bracht.

26 Ich bin oft­mals auf Rei­sen ge­we­sen, in Ge­fah­ren auf Flüs­sen, in Ge­fah­ren durch Mör­der, in Ge­fah­ren vom ei­ge­nen Volke, in Ge­fah­ren von Hei­den, in Ge­fah­ren in der Stadt, in Ge­fah­ren in der Wüste, in Ge­fah­ren auf dem Meere, in Ge­fah­ren unter fal­schen Brüdern;

27 in Ar­beit und Mühe, oft­mals in Nacht­wa­chen, in Hun­ger und Durst; oft­mals in Fas­ten, in Kälte und Blöße;

28 zu al­le­dem der täg­li­che Zu­lauf zu mir, die Sorge für alle Ge­mein­den.

29 Wer ist schwach, und ich bin nicht auch schwach? Wer nimmt An­stoß, und ich ent­bren­ne nicht?

30 Wenn ich mich rüh­men soll, so will ich mich mei­ner Schwach­heit rühmen.

31 Der Gott und Vater des Herrn Jesus, der ge­lobt ist in Ewig­keit, weiß, dass ich nicht lüge.

32 In Damas­kus be­wach­te der Land­pfle­ger des Kö­nigs Are­tas die Stadt der Da­mas­ze­ner, um mich zu ver­haf­ten;

33 und ich wurde durch ein Fens­ter in einem Korb über die Mauer hi­n­ab­ge­las­sen2 und ent­rann sei­nen Händen.

 


1) Eugen Schlach­ter hatte in sei­ner ÜS wort­ge­nau das grie­chi­sche 'bythos' mit 'Tiefe' wie­der­ge­ge­ben. Eben­so steht es in der (ak­tu­el­len) Schlach­ter 2000.
Die El­ber­fel­der 2006 hat hier 'See­not'; denn 'bythos' kann auch 'die See' be­deu­ten. Ei­ni­ge schrei­ben 'Tiefe der See'.
2Kor 1, 8-10 hatte Pau­lus er­wähnt, »… dass wir sogar am Leben ver­zwei­fel­ten; …«

2) … in einem Korb über die Mauer hi­n­ab­ge­las­sen …
Inter­es­san­te Pa­ral­le­le: Die Flucht der bei­den Kund­schaf­ter aus Je­ri­cho (Buch Josua). Da­mals war Kanaa von den Stäm­men Is­ra­els ein­ge­nom­men wor­den.
Mit den Rei­sen des Pau­lus nun be­gann die Ein­nah­me vie­ler See­len für den Chris­tus – bis heute und in Zu­kunft.
»Da ließ sie die­sel­ben an einem Seil durch das Fens­ter hi­n­un­ter; denn ihr Haus war an der Stadt­mau­er, …« (Josua 2,  15a)


Verwen­de­ter Text: Schlachter Bibel 1951.
Übersetzt von Franz-Eugen Schlachter.
© Genfer Bibel­ge­sell­schaft 1951. Ent­nom­men dem Xiphos / Sword -Projekt.

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